Körper-Politiken beschäftigt sich mit der Politik die durch und mit dem Körper und seinen Erscheinungsformen betrieben wird. Der Körper, der oft als biologische Gegebenheit angesehen wird, wird stark für die Reproduktion von Normen und Werten des gesellschaftlichen Grundkonsens instrumentalisiert. In diesem Zusammenhang beschäftigen uns die folgenden Themenbereiche genauer:

Diese Themen und die Konzepte dahinter beschäftigen uns im Rahmen von „Körperpolitiken“. Eine etwas ausführlichere Beschreibung findest Du im Folgenden:

Frauen und ihre Körper

Leichtbekleidete Frauenkörper werben für Autos, Waschmaschinen und Joghurts. Frauen und ihre Körper werden als Objekte missbraucht. In der Kunst und in der Werbung ist (fast) alles erlaubt. Aber wenn es um die Selbstbestimmung der Frau über ihren Körper und ihr Leben geht, dann entstehen hitzige Diskussionen. Die Legalität von Abtreibung wird immer wieder in Frage gestellt, kollektive Schuldgefühle werden geschürt.

Eins, zwei, … viele!

Besonders im körperlichen und vermeintlich biologischen Bereich wird das Infragestellen von Theorie und Praxis durch „das ist halt so“ erschwert. Doch hinter diesem „das ist halt so“ verbirgt sich ein gut gehütetes Gesellschaftskonzept, das nicht ins Schwanken geraten darf. Dieser Prozess beginnt schon bei der Geburt durch die Zuordnung zu einem (biologischen) Geschlecht. Schon hier beginnt sich der Begriff „Körper“ mit dem Begriff „Politik“ zu vermischen. Denn nur die wenigsten wissen, dass jedes 500. Kind mit keinem eindeutigen Geschlecht auf die Welt kommt. Und obwohl die Zahl nicht so klein ist, wird das verschwiegen und stigmatisiert. Die scheinbar rein biologische Zuordnung hat damit starke soziale Auswirkungen.

Der perfekte Mensch

Menschen mit Behinderung werden eigentlich vom Leben behindert, oder besser von dem Teil der Gesellschaft, der die Lebensrealität von vielen Menschen ausblendet bzw. befremdend findet. Doch die moderne Medizin bietet immer mehr Möglichkeiten, der perfekte Mensch scheint greifbar nahe zu sein. Werden wir bald Kinder aus dem Katalog bekommen? Welche Auswirkungen hat dieser Perfektionismus auf Menschen die diesem „Ideal“ nicht entsprechen?

Tabuthema aufgegriffen

Obwohl wir in den Medien immer wieder hören, dass wir in einer sexualisierten Welt leben, sind Sexualität und Lust immer noch sehr private Themen, die mit vielen Missverständnissen und Zwängen verbunden sind: Wann hast du gemerkt, dass du heterosexuell bist? Sex ist im Alter kein Thema mehr? Wenn du keinen Sex hast, dann stimmt etwas mit dir nicht? „Nein“ – Sagen ist doch heute für Mädchen und Frauen kein Problem mehr? Wie sicher ist dein Sex? Sexarbeit ist ein gesellschaftliches Randthema? Und Menschen mit Behinderung sollten keinen Sex haben?

What the fuck is Gender?

Das soziale Geschlecht (Gender), also die Eigen- und Fremdwahrnehmung, welches Geschlecht oder welche Geschlechtsidentität mensch hat, kann sich vom biologischen Geschlecht unterscheiden. Hier spielt vor allem die Eigenwahrnehmung eine große Rolle und die Zweigeschlechtlichkeit kann aufgehoben werden. Und trotzdem wirkt besonders an dieser Stelle das nach, was schon in der Biologie mit „das ist halt so“ begründet wird: die Kategorien „männliche“ und weiblich“.

Des Kaisers/der Kaiserin neue Kleider

Durch die Kleidung, die wir tragen, ordnen wir uns, bewusst oder unbewusst, einer Gruppe zu. Passt die Kleidung nicht zu dem, was wir sind oder sein sollten, dann löst dies zweifelsohne Verwunderung aus und konfrontiert uns mit Vorurteilen: Ein Minirock bei einer 60-jährigen schickt sich nicht. Die Stöckelschuhe einer linken Feministin rufen Verwunderung hervor. Ein Mann in einem Rock wirkt immer noch befremdend, auch wenn Frauen schon lange Hosen tragen. Und wie war die Sache mit dem Kopftuch doch gleich? Zwang oder Freiwilligkeit?